Artikel zur Gedenkfeier

Artikel zur Gedenkfeier

Anlässlich des am 27. Januar stattfindenden „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ fand im äußeren Schlosshof eine Veranstaltung statt, bei der unter anderem Mitglieder unseres Vereins an NS-Opfer aus Mergentheim erinnerten.
Die Stadt stellte uns freundlicherweise ihren im Stadtjournal erschienen Artikel zur Verfügung.

Oberbürgermeister Udo Glatthaar und Teilnehmende der Gedenkfeier erinnerten an die Verfolgten und Getöteten Bad Mergentheimer während des Nationalsozialismus.

Innehalten im Alltag: Gut 50 Personen haben am Dienstag, 27. Januar, der Bad Mergentheimer Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Zum Erinnern versammelten sich die Teilnehmenden an der Gedenk-Stele im Äußeren Schlosshof.

Der 27. Januar ist in Deutschland seit 1996 ein bundesweiter, gesetzlich verankerter Gedenktag. Er ist ein „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“. Im Jahre 2005 wurde er von den Vereinten Nationen zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust erklärt.

Auf dem Mahnmal im Schlosshof verewigt sind die Namen jener 97 jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger Bad Mergentheims, die während der Nazi-Diktatur deportiert und ermordet wurden. Das jüngste Opfer war nicht einmal sechs Jahre alt. 

Oberbürgermeister Udo Glatthaar erinnerte in seiner Ansprache daran, dass Antisemitismus in der Gegenwart leider immer mehr Raum nehme, beispielsweise in der digitalen Lebenswelt jüdischer Mitbürgerinnen und Mitburger. Aber nicht nur dort: Der OB erinnerte an den kürzlich versuchten Brandanschlag auf eine Synagoge in Gießen. „Wir haben auch noch die schrecklichen Bilder vom „Bondi Beach“ in Australien vom 14. Dezember vor Augen, als bei einem Anschlag auf ein jüdisches Fest 15 Menschen ihr Leben verloren und 40 verletzt wurden“, sagte er. 

„Wenn wir die Demokratie und die Menschenrechte hochhalten, ist dies der beste Schutzschild gegen Hass und Gewalt. Ich bin sehr dankbar für unsere Erinnerungskultur seit 1945 und alles, was an Bewusstsein, Versöhnung und Toleranz seitdem gewachsen ist“, so Udo Glatthaar. „Verneigen wir uns innerlich vor den Toten. Die 97 Namen und die dahinterstehenden Menschen und Schicksale auf dieser Gedenktafel sind nicht vergessen – und sollen nicht vergessen werden.“

Dazu trugen auch Klaus Huth und Renate Haag vom Verein „Stolpersteine Bad Mergentheim“ bei, die zwei berührende Einzelschicksale nachzeichneten: die Geschichten von Ferdinand Würzburger und Selma Würzburger. Alle sieben Mitglieder der Familie Würzburger wurden in Lagern ermordet. 

Ferdinand hatte zusammen mit seinem Bruder Samuel in Bad Mergentheim die kleine „Likör- und Spirituosenfabrik B. Würzburger Söhne“ betrieben, die die Familie 1938 aufgeben musste und damit ihre Existenzgrundlage verlor. Ferdinand Würzburger wurde 1942 nach Theresienstadt deportiert, wo er 1944 starb. Seine Tocher Selma war bereits 1940 wegen „Rassenschande“ verhaftet worden (vermutlich erlebte sie schlicht ihre erste Liebe) – im Alter von gerade einmal 18 Jahren. Sie musste erst Zwangsarbeit im KZ Ravensbrück leisten und wurde 1942 in der NS-Tötungsanstalt Bernburg ermordet. 

Ausführlich können die Schicksale hier nachgelesen werden; der Verein Stolpersteine hat sie auf seinen Internetseiten aufbereitet.