{"id":183,"date":"2021-09-01T16:45:23","date_gmt":"2021-09-01T15:45:23","guid":{"rendered":"https:\/\/stolpersteine-mgh.de\/?p=183"},"modified":"2021-10-09T19:21:51","modified_gmt":"2021-10-09T18:21:51","slug":"konzentlager-riga-jungfernhof","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/stolpersteine-mgh.de\/en\/konzentlager-riga-jungfernhof","title":{"rendered":"Konzentrationslager Riga-Jungfernhof"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Das Konzentrationslager Riga-Jungfernhof<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Einen Einblick in die Situation im Rigaer Konzentrationslager Jungfernhof im Dezember 1941 gew\u00e4hrt Paul Sauer in seinem Buch \u201eDie Schicksale der j\u00fcdischen B\u00fcrger Baden-W\u00fcrttembergs\u201c:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201e<em>Die Deportierten kamen nach Jungfernhof in der N\u00e4he von Riga. Die M\u00e4nner erhielten eine Unterkunft in einer gro\u00dfen Wellblechscheune, die 100m lang und 15 m breit war. Da vom Dach nur Reste vorhanden waren und sich die Tore nicht schlie\u00dfen, lagen die Deportierten praktisch unter freiem Himmel. Schnee, Regen und Wind hatten fast ungehindert Zugang. In der Scheune befand sich nichts als Holzgestelle mit Schlafkojen durchschnittlich acht Etagen \u00fcbereinander. Die Temperaturen in dieser Todesbaracke sank w\u00e4hrend des strengen Winters 1941\/1942 beinahe ebenso stark wie im Freien. \u00dcberlebende berichten, dass in der Scheune mitunter eine K\u00e4lte von minus 30-40 Grad geherrscht habe. Viele erfroren w\u00e4hrend der N\u00e4chte. Ein besonderes Arbeitskommando mu\u00dfte tagt\u00e4glich die steifgefrorenen Toten aus den 70 cm hohen Kojen herausziehen und abseits der Scheune aufstapeln. Die SS-Wachmannschaften leisteten sich viele \u00dcbergriffe. Wegen der geringsten Vergehen wurden Gefangene erschossen. Kranke erlitten das gleiche Schicksal.\u201c<\/em><\/p><cite>Paul Sauer: Die Schicksale der j\u00fcdischen B\u00fcrger Baden-W\u00fcrttembergs<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Der Gutshof Jungfernhof war erst kurz vor Ankunft der ersten Deportierten als Zielort f\u00fcr vier Deportationsz\u00fcge ausgew\u00e4hlt worden. Vermutlich auch deshalb waren \u201eDie Geb\u00e4ude [&#8230;] f\u00fcr die Aufnahme vieler Menschen ungeeignet. Dennoch wurden die Scheunen und St\u00e4lle im November 1941 kurzfristig mit Holzpritschen ausgestattet. [&#8230;] Die Arbeiten wurden von lettischen Juden aus dem Ghetto in Riga, von sowjetischen Kriegsgefangenen und von Zivilarbeitern erledigt. Doch blieben die meisten Geb\u00e4ude weiterhin ohne Heizm\u00f6glichkeit und baulich in einem desolaten Zustand. Teilweise waren die Baulichkeiten undicht und es schneite hinein.\u201c<sup>[1]<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Ein erster Transport erreichte den Jungfernhof am 2. Dezember 1941 Juden. Er bestand aus 1008 Juden aus Franken und hatte am 30 November 1941 ein Sammellager auf dem Reichsparteitagsgel\u00e4nde in N\u00fcrnberg verlassen. Es folge am 4. Dezember der Transport der 1013 w\u00fcrttembergischen Juden aus dem Sammellager am Killesberg in Stuttgart. Weitere f\u00fcnf Tage sp\u00e4ter, am 9. Dezember erreichte ein Transport aus Hamburg mit 964 Personen das Lager. Im Januar 1942 kam ein Transport aus Wien an, womit die Zahl der im Lager \u201euntergebrachten\u201c Juden auf knapp unter 4000 Personen stieg.<sup>[2]<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend des harten Winters 1941\/1942 starben zwischen 800 und 900 Insassen des Lagers. Sie erfroren, erlagen der Unterern\u00e4hrung oder den sich bald ausbreitenden Krankheiten. Der gefrorene Boden gestattete es nicht, die Verstorbenen zu begraben. Erst nachdem ein SS-Mann zwei L\u00f6cher in den Untergrund gesprengt hatte, wurden die Leichen in einem Massengrab verscharrt.<sup>[3]<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Die Lagerinsassen arbeiteten in mehreren Arbeitskommandos, u.a. in einem Steinbruchkommando, das die dringend ben\u00f6tigten Steine f\u00fcr den Aufbau der Lagergeb\u00e4ude besorgte.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Januar 1942 \u00fcberstellte der Lagerkommandant Seck ca. 200 Frauen ins Ghetto Riga, im Februar wurden die Kranken aus dem Lager abtransportiert. Mitte M\u00e4rz wurde den Inhaftierten wahrheitswidrig mitgeteilt, sie k\u00f6nnten k\u00fcnftig in einer Konservenfabrik in D\u00fcnam\u00fcnde arbeiten<sup>[4]<\/sup>. Tats\u00e4chlich aber war es ein Transport in den Tod \u2013 im Lauf des 26. M\u00e4rz 1942 wurden zwischen 1700 und 1800 Gefangene im Wald von Bikernieki erschossen und in Massengr\u00e4bern verscharrt.<sup>[5]<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Die noch \u00fcbrigen 450 H\u00e4ftlinge bauten einen Gutshof auf, in dem sich die Lebenssituation f\u00fcr die Gefangenen verbesserte, doch folgten im Juli 1942 und 1943 weitere Abtransporte, so dass im August 1943 nur noch 82 Bewohner auf dem Jungfernhof lebten. 1944 wurde das Lager aufgegeben und die Bewohner wurden in ein nicht bekanntes anderes Gut umgesiedelt. Von urspr\u00fcnglich 4000 Menschen \u00fcberlebten lediglich 148.<sup>[6,7]<\/sup><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>1. https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gut_Jungfernhof_(Lager)<\/p>\n\n\n\n<p>2. Vgl. https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gut_Jungfernhof_(Lager) (Zugriff: 10.11.2020)<\/p>\n\n\n\n<p>3. https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gut_Jungfernhof_(Lager)<\/p>\n\n\n\n<p>4. https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gut_Jungfernhof_(Lager)<\/p>\n\n\n\n<p>5. Vgl. https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gut_Jungfernhof_(Lager)<\/p>\n\n\n\n<p>6. Vgl. https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gut_Jungfernhof_(Lager)<\/p>\n\n\n\n<p>7. Es \u00fcberlebten vom N\u00fcrnberger Transport 52 Menschen, aus Stuttgart 42, aus Wien 18 und aus Hamburg 35 Menschen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Konzentrationslager Riga-Jungfernhof Einen Einblick in die Situation im Rigaer Konzentrationslager Jungfernhof im Dezember 1941 gew\u00e4hrt Paul Sauer in seinem Buch \u201eDie Schicksale der j\u00fcdischen B\u00fcrger Baden-W\u00fcrttembergs\u201c: \u201eDie Deportierten kamen nach Jungfernhof in der N\u00e4he von Riga. 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